TSV Röthenbach b. St. Wolfgang

Panorama des Sportgeländes im Winter

Tischtennis

Der TTC Wendelstein berichtet

Bis zum Ende der Spielzeit 2000/2001 war die Tischtennis-Bundesliga-Damenmannschaft das Aushängeschild des TSV 1927 Röthenbach/St.W. Danach ging der erfolgreiche Weg alleine weiter. Im Mai 2001 wurde die TT-Abteilung in einen eigenständigen Verein ausgegliedert – den TTC Femont Röthenbach, mit dem der TSV über einen Kooperationsvertrag aber weiter freundschaftlich verbunden ist. Daran haben auch die zwischenzeitlichen Namensänderungen in TTC Optolyth Optik Wendelstein (2007-2013) und TTC Wendelstein (seit 2013) nichts geändert.

Aber Ende April 2015 war dann leider Schluss mit Spitzen-Tischtennis in der Röthenbacher Schwarzachhalle: Der TTC Wendelstein hatte keine Meldung mehr für die neue Spielzeit beim Deutschen Tischtennisbund abgegeben und zog seine Damenmannschaft zum Abschluss der Saison vom Spielbetrieb zurück. Neben fehlenden Sponsorengeldern gaben zahlreiche weitere Gründe hierfür den Ausschlag. Eine sehr erfolgreiche Ära ging damit mit einer tollen Abschlusssaison zu Ende, die am Schluss sogar zum erneuten Aufstieg in die 1. Bundesliga berechtigt hätte.

Insgesamt blickt der Verein nun auf 24 zumeist erfolgreiche Jahre in der Damen- Tischtennis-Bundesliga zurück. Seit dem ersten Aufstieg in die 2. Liga in der Saison 1990/1991 (Heike Groner, Christina Fischer, Andrea Hillgärtner, Eva Zschau, Melanie Ziegler) spielte man insgesamt 19 Jahre lang in der zweiten sowie fünf Jahre in der 1. Bundesliga (erstmals in der Saison 1995/1996). Zudem konnten bei fünf Teilnahmen im ETTU-Pokal (Nancy Evans Cup) zweimal der Einzug ins Finale gegen Budapest und Berlin sowie drei Halbfinalteilnahmen erreicht werden.
Über all die Jahre war der TTC Wendelstein ein Garant für spannende Spiele und hochklassigen Tischtennissport. Nahezu die komplette europäische Elite gab sich ein Stelldichein in der Schwarzachhalle.

Einer der emotionalen Höhepunkte in dieser Zeit war sicherlich der erste Aufstieg in die 1. Bundesliga. In der Spielzeit 1994/1995 schaffte Trainer Franz David im vierten Anlauf mit seinen Tischtennis-Frauen erstmals die Sensation: Das Team blieb in 20 Zweitligaspielen ungeschlagen und beendete die Saison mit 36:4 Punkten auf dem ersten Tabellenplatz. Mit einem 8:2-Erfolg im letzten Saisonspiel beim SV Winterwerb machten An Hae Sook, Andrea Stich, Andrea Hillgärtner, Sabine Fischer und Andrea Schiel den Aufstieg klar.

Das absolute Highlight in all den Jahren war aber sicherlich das Finale im ETTU-Pokal im Jahr 2000. Bereits der Weg dorthin machte richtig Spaß: Mit einem 4:0-Erfolg gegen Metz erreichte man das Viertelfinale. Die Zeitungen titelten hinterher: „Metz mit 4:0 niedergemetzelt.“ Es folgte ein hart erkämpftes 4:2 gegen U.S.O Mondeville und ein sensationelles 4:3 in Lübeck. Und da war er plötzlich: Der Einzug ins Finale gegen Postas Budapest. Die Ungarinnen kamen nach einem 4:1-Erfolg in Berlin mit mächtigem Selbstvertrauen zum ersten Spiel nach Röthenbach.
Doch auch in Röthenbach hatte man sich prima vorbereitet. Tagelang wurden durch Wendelsteiner Gemeindemitarbeiter Zusatztribünen aufgebaut, um den erwarteten Zuschaueransturm bewältigen zu können. Und all die Mühe hatte sich gelohnt: 350 Zuschauer pilgerten zum Finale in die Schwarzachhalle und sorgten für einen absoluten Zuschauerrekord. Sie sollten ein spannendes, stimmungsreiches und denkwürdiges Spiel miterleben. Nationalfahnen beider Teams schmückten die Halle, während sich die Zuschauer vor Spielbeginn noch an der Sekt- und Cocktailbar vergnügen konnten. Nach den Nationalhymnen und zweisprachiger Anmoderation – unterstützt von einem Moderator des Nürnberger Lokalradios – gingen dann endlich die Spielerinnen an die Platte. Adriana Nastase, Spitzenspielerin in Röthenbach, konnte aufgrund ihrer Schwangerschaft im 6. Monat leider nur zusehen. Zu gern hätte sie ihre Mannschaft auch im Finale angeführt. Aber sie fand in Svenja Weikert eine würdige Stellvertreterin.
Beide Mannschaften boten einen spannenden und beherzten Kampf über 3,5 Stunden Spieldauer hinweg (die Sätze wurden damals noch bis 21 gespielt – zwei gewonnene Sätze reichten zum Sieg).
Zunächst sah es gar nicht nach einem Erfolg als, als Dudu Wu ihre erste Begegnung gegen Rita Kertai klar mit 0:2 Sätzen verlor. Ein im Vorfeld sicher eingeplanter Punkt war somit verloren. Doch eine an diesem Tag wie entfesselt aufspielende Svenja Weikert konnte Silvia Erdelji mit 2:1 Sätzen in die Schranken weisen und gewann zudem das Doppel an der Seite von Dudu Wu gegen Badescu/Kertai – ebenfalls 2:1. Auch Dudu Wu konnte ihr zweites Einzel an diesem Tag gegen Otilia Badescu, die zuvor Tanja Riß klar besiegt hatte, mit 2:1 bezwingen. Und so war der Weg frei für die Heldin des Tages, den Schlusspunkt zu setzen:
Am Ende gab es ein Happy End für die Gastgeberinnen, als Svenja Weikert im Spiel gegen Rita Kertai den dritten und entscheidenden Satz knapp mit 23:21 für sich gewinnen konnte und Röthenbach das Spiel somit mit 4:2 gewann. Alle Dämme brachen und die Spielerinnen zelebrierten bei einigen Ehrenrunden mit begeisterten Fans lange eine La Ola durch die Schwarzachhalle.

Eigentlich hatte man auch die zweite Hand schon fast sicher am Pott, denn auch im Rückspiel in Budapest lief zunächst alles weiter nach Plan: 60 begeisterte Zuschauer traten mit dem Team die Reise in Ungarns Hauptstadt an, und konnten zunächst zwei Triumphe bejubeln: Dudu Wu siegte in einem knappen und spannenden Spiel mit 2:1 Sätzen gegen Otilia Badescu und gleich danach setzte Svenja Weikert gegen Rita Kertai ihre Siegesserie fort. 2:0 Spiele für Röthenbach lautete der Zwischenstand und es fehlte nur noch ein einziger Punkt aus den restlichen vier Spielen, um den Pokal erstmals nach Röthenbach zu holen.
Dieser sollte in der Wiederholung des Doppels zwischen Badescu/Kertai und Wu/Weikert eingefahren werden. Es entwickelte sich die gleiche Spannung und Dramatik wie bereits im Hinspiel. Beim Stande von 1:1 Sätzen und 18:18 im dritten Satz riss dann aber leider der Erfolgsfaden und Dudu Wu und Svenja Weikert mussten ihren Gegnerinnen zum Erfolg gratulieren. Drei winzige Punkte hatten noch zum Triumph gefehlt…
Danach ist die Geschichte schnell erzählt: Auch in den folgenden drei Einzeln konnten Dudu Wu, Svenja Weikert und Tanja Riß kein Spiel mehr gewinnen und verloren am Ende mit 2:4. Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass trotz des Gesamtergebnisses von 6:6 Punkten nach Hin- und Rückspiel der Pokal aufgrund der insgesamt besseren Satzdifferenz (ein einziger Satz Vorsprung…) in Budapest bleiben sollte.

Eine kleine Sensation gelang dann nochmal zwei Spielzeiten später, als man nach zwischenzeitlichem Abstieg als Zweitligist noch einmal den Einzug ins Pokalfinale schaffte. Es begann wieder mit einem unerwarteten Sieg beim diesmal deutlich favorisierten Team von U.S.O Mondeville. Und als dann im Halbfinale nach einem sensationellen 3:1-Hinspielerfolg gegen den italienischen Meister in Castel Goffredo bei der 1:3-Niederlage in Italien diesmal das bessere Satzverhältnis für Röthenbach den Ausschlag gab, war die erneute Sensation perfekt und Röthenbach zog ins Pokalfinale ein. Noch einmal war der Pokal zum Greifen nahe…
Adriana Nastase, Svenja Weikert, Jessika Weikert und Sandra Stroezel scheiterten dann jedoch trotz einer bemerkenswert knappen 2:3-Niederlage in Berlin klar mit 0:3 im Rückspiel in heimischer Halle gegen den Erstligisten und heutigen Serienmeister Berlin. Eine erwartete Niederlage gegen den haushohen Favoriten, die deshalb auch nicht sonderlich schmerzte. Aber natürlich hätte man zu gerne wenigstens einmal den Pokal gewonnen…

38 Spielerinnen aus 11 Nationen begleiteten den TTC Wendelstein auf diesem Weg, darunter namhafte Spielerinnen wie Marie Svensson, Christina Fischer, Jiaduo Wu, Adriana Nastase oder Svetlana Ganina.

Am längsten spielte Svenja Weikert in Röthenbach. Mit genau 19 Jahren brachte sie es auf ein Jahr mehr als ihre Zwillingsschwester Jessika, die für ein Jahr in Regensburg eine Zwischenstation eingelegt hatte. Andrea Schiel schaffte immerhin elf Jahre. Zusammen kommen diese drei Stammspielerinnen auf 48 Jahre, d.h. zusammen stellten sie rein rechnerisch in den 24 Jahren Bundesligazugehörigkeit die Hälfte der Mannschaft. Franz und Lydia David waren in all den Jahren die entscheidenden Personen hinter dem Projekt „Tischtennis in Röthenbach“ gewesen. Lydia David wurde hierfür von Landrat Herbert Eckstein und Wendelsteins damaligem Bürgermeister Wolfgang Kelsch sogar mit dem Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten ausgezeichnet.

Normalität ist eingekehrt
Heute ist es deutlich ruhiger in der Röthenbacher Schwarzachhalle geworden. Aber natürlich wird noch immer fleißig Tischtennis gespielt. Die Saison 2016/2017 ist seit einigen Wochen vorbei und nun heißt es ein paar Wochen lang ausruhen und das hoffentlich irgendwann mal schöne und warme Wetter zu genießen. Die Pause bis zur neuen Saison wird aber auch mit den jährlichen Vereinsmeisterschaften, einer gemeinsamen Grillfeier oder der anstehenden Jahreshauptversammlung überbrückt.

In der abgelaufenen Spielzeit lagen Freude und Trauer eng beisammen:
Die erste Herrenmannschaft konnte nach ihrem Aufstieg in die 1. Kreisliga auch in dieser höheren Liga voll überzeugen und belegte am Ende einen tollen fünften Tabellenplatz mit 16:20 Punkten. Mit dem Abstieg kam man zum Glück nie in Berührung und konnte stattdessen die arrivierten Mannschaften zum Teil auch mehr als ärgern.
Herausragender Spieler einer in sich geschlossenen Mannschaft war – wie bereits im Aufstiegsjahr – Spitzenspieler Alexander Fuchs, der auch eine Liga höher mit seiner 21:15-Bilanz im Einzel und 14:6 im Doppel an der Seite von Franz David brillierte.

Dicht gefolgt von Andreas Fiegl (16:10), Alexander Wagner (17:15), Florian Nägele (15:16) und Konrad Hentschel (9:11), die ebenfalls zahlreiche Punkte zum hervorragenden Mannschaftsergebnis beisteuern konnten. Da fiel es auch nicht groß ins Gewicht, dass Franz David, der sich in der Vorrunde im vorderen Paarkreuz opferte, in seiner letzten aktiven Saison mit 4:27 Spielen deutlich weniger beitragen konnte als in all den Vorjahren.

Die 2. Herrenmannschaft beendete die Saison leider mit nur 3:33 Punkten auf dem 9. Tabellenplatz in der 3. Kreisliga Nord – gleichbedeutend mit einem Abstiegsplatz. Zahlreiche Ausfälle vor und während der Saison führten immer wieder dazu, dass das Team mit zumeist mindestens drei Spielern aus der 3. Mannschaft komplettiert werden musste. Da half es auch nichts, dass Spitzenspieler Klaus-Jürgen Fuchs lange Zeit ungeschlagen spielte, bevor auch ihn eine Verletzung zurückwarf. Dennoch schloss er die Saison mit einer tollen 21:11-Bilanz im Einzel und 13:5 im Doppel ab. Auch Günter Dehn kam bei seinen leider nur wenigen Einsätzen auf hervorragende 13:4 Siege im Einzel und 9:1 im Doppel. Wirkungslos blieb auch, dass nach der Vorrunde die 3. Herrenmannschaft vom Spielbetrieb zurückgezogen wurde, um die 2. Mannschaft personell voll zu unterstützen. Am Ende steht der sportliche Abstieg in die 4. Kreisliga.

Aufgrund der langen Verletztenliste stellt sich aktuell auch die Frage, wie viele Mannschaften für die neue Saison überhaupt gemeldet werden können. Vielleicht bleibt es auch in der neuen Spielzeit bei nur zwei Mannschaften. Neben der 3. Herrenmannschaft musste bereits vor Saisonbeginn auch die Jugendmannschaft vom Spielbetrieb zurückgezogen werden. Aber vielleicht gibt es ja auch hier in der neuen Spielzeit wieder ein Team.

Freuen wir uns ab September wieder auf spannende Spiele in der neuen Saison.
Bis dorthin wünschen wir Ihnen erstmal einen sonnigen Sommer und ein paar schöne Urlaubstage!

Stephan Thürauf

Foto: Stephan Thürauf v.l.n.r.: Jenja Vasylieva, Polina Trifonova, Jessika Weikert, Andrea Schiel. (Es fehlen die zu diesem Zeitpunkt erkrankten Svenja Weikert und Larisa Stancu)